3. Für wen wird es künftig noch Arbeit geben?

Die Gretchenfrage für jeden Rohstoff - für wie viele Menschen er zur Verfügung stehen müsste - lässt sich beim Rohstoff Arbeit relativ sicher vorhersagen. Je nach Entwicklung von Geburtenrate, Bevölkerungszahl und Zuwanderung errechnet das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) für das Jahr 2030 ein Erwerbspersonenpotenzial von 35 bis 40 Millionen Menschen. Das bedeutet, das Angebot an Arbeitskräften sinkt. Im Jahr 2008 lag die Zahl noch bei 44,38 Millionen. Grund für die Abnahme ist der seit 2006 (bis dahin stieg die Zahl seit der Wiedervereinigung kontinuierlich) anhaltende demografische Trend, wonach mehr ältere Beschäftigte aussteigen als junge nachrücken. Christian Brzinsky-Fay vom Wissenschaftszentrum Berlin sagt, Arbeit werde für einen Großteil der Menschen grundsätzlich nicht ausgehen. Die interessante Frage sei eher: "Werden die Erwerbstätigen die passenden Qualifikationen für die verfügbare Arbeit mitbringen?"

Hier über Zahlen zu spekulieren ist müßig. Die Trends sind eindeutig. "Das klassische Arbeitersegment im warenproduzierenden Sektor schrumpft kontinuierlich", sagt Brzinsky-Fay. Auch Festangestellte sind kein Zukunftsmodell. Künftige Karrieren sieht der Wissenschaftler fragmentiert: Arbeitsphasen werden durch Bildungs- und Erholungsphasen sowie unfreiwillige Arbeitslosigkeit unterbrochen. Die berufliche Erstausbildung allein wird künftig nicht mehr ausreichen.

Ulf Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft, sieht einen Typ Arbeitnehmer am Horizont, der sich mehr mit seiner Spezialisierung (Beruf) als mit einem Unternehmen identifizieren wird. Er wird projektweise für verschiedene Firmen arbeiten, eigene soziale Netze pflegen und seine Arbeit dort selbst akquirieren. Dies wird die neue Elite in der Arbeitswelt, die heute gewerkschaftlich organisierten Industriearbeiter werden ihre Macht verlieren.

Es ist absehbar, dass diese Entwicklung immer weniger Menschen immer mehr Arbeit beschert. Arbeit könnte zum Privileg werden - für die Politik eine bedenkliche Situation: Arbeitsplätze (und ob sie kommen oder gehen) spielen in Wahlen eine entscheidende Rolle, wie auch die Politik ihre Handlungen, bisweilen ihre Existenz, mit dem Kampf um Jobs legitimiert.

brandeins.de ist wirklich ein ungehobener Schatz.

Was übrigens viele Abonnenten nicht wissen: das Audible-brandeins-Abo ist kostenfrei und inklusive enthalten bei den 79 EURO für das brandeins Print Abo. Email an den Verlag reicht, dann wird bei laufendem Abo der kostenfreie audible-brandeins-Podcast freigeschaltet.

BTW: das Audible-Brandeins Abo ohne Print-Abo kostet jährlich 120 EURO (10 EURO/Monat) - also auf jeden Fall das Print-Abo abschliessen und brandeins unterstützen.